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Steckbrief Asthma bronchiale

Definition

Unter Asthma oder Asthma bronchiale versteht man eine Lungenerkrankung mit hochgradiger Atemnot, die anfallsweise auftritt. Charakteristische Merkmale sind eine anhaltende (chronische) Entzündung der Atemwege, ihre Verengung (Bronchokonstriktion) und die Überempfindlichkeit (= bronchiale Hyperreagibilität) der Atemstrukturen gegenüber zahlreichen Faktoren unserer Umwelt.

Die Engstellung der Bronchien wird durch mehrere Faktoren bedingt. Dazu zählen:

Häufigkeit

Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. In Deutschland sind circa 10 Prozent der kindlichen und 5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Damit liegt Deutschland in Europa etwa im Mittelfeld.

Die Erkrankungshäufigkeit nimmt - wie die anderer allergischer Erkrankungen - sehr stark zu. So stieg die Krankheitshäufigkeit in den USA von 1982 bis 1992 um 40 bis 50 Prozent an.

In Europa gibt es rund 30 Millionen Asthmatiker. Dank geeigneter Medikamente und adäquater Behandlung können rund 70% von Ihnen gut mit ihrer Therapie leben. 1,5 Millionen Europäer leiden jedoch an schwerem Asthma und haben mindestens einmal in der Woche einen bedrohlichen Anfall.

In Westeuropa stirbt noch immer ein Mensch pro Stunde an Asthma (dpa-Meldung 2005 anlässlich des Welt-Asthmatages).

In Deutschland liegt die Sterblichkeitsrate bei 4-8 von 100.000 Einwohnern pro Jahr.  Ungefähr 90 Prozent der Todesfälle könnten durch bessere Aufklärung und Behandlung vermieden werden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Atemwegserkrankung ist groß. Laut einer konservativ ausgerichteten Krankheitskosten-Analyse wurde ein Gesamtbetrag von 2,6 Milliarden Euro pro Jahr ermittelt.

Dabei schlagen die Krankheitskosten für Kinder und Erwachsene mit mittelschwerem allergischen Asthma mit 2.200 bzw. 2.700 Euro pro Jahr zu buche; bei schwerem allergischen Asthma rechnet man mit 7.900 bis 9.300 Euro pro Patient und Jahr.

Die Kosten für die vielfach schwereren Krankheitsverläufe nicht-allergischer Krankheitsformen dürften noch höher zu veranschlagen sein.

Ursachen

Medizinische Ursachen

Die Ursachen für die überempfindlichen Atemwege des Asthmatikers, die zu einer Entzündung der Bronchialschleimhaut führen, sind in absteigender Häufigkeit:

Erblich bedingte Ursachen

Eine der Hauptursachen für Asthma ist eine Allergie. Allergiker haben eine erhöhte Bereitschaft, bestimmte Antikörper (= körpereigene Eiweißstoffe der Immunabwehr), sogenannte IgE-Antikörper, zu bilden. Diese Antikörper bedingen über eine Reihe von Reaktionen die allergische Reaktion; im Falle des Asthmas die Schwellung der Bronchialschleimhaut.

Bei den sogenannten atopischen (= allergisch bedingten) Erkrankungen, zu denen auch Asthma zählt, leiden die Kinder von Allergie geplagten Eltern häufig auch an Allergien. Bei Bronchialasthma gilt es als gesichert, dass eine erbliche Veranlagung an die Kinder weitergegeben wird.

Leiden beide Elternteile an einer allergisch bedingten Erkrankung, so erkranken ihre Kinder in 50 Prozent der Fälle auch an einem solchen Leiden. Ist nur ein Elternteil betroffen, so geht man von einer Erkrankungswahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent aus. Sind in der Familie keine allergisch bedingten Erkrankungen bekannt, so bleibt dennoch ein Erkrankungsrisiko von 10 bis 15 Prozent.

Umweltbedingte Ursachen

Ob ein Mensch Asthma entwickelt, hängt nicht nur von seiner genetischen Veranlagung ab, sondern auch von umweltbedingten Größen. Man nimmt an, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen: die Häufigkeit, mit der man einem Allergie auslösenden Stoff ausgesetzt ist (Allergenexposition), virale Infekte (besonders der Atemwege), Umweltfaktoren, wie Zigarettenrauch, Ozon und Dieselpartikel; zudem die Anzahl der Geschwisterkinder und der sogenannte sozioökonomische Status (je niedriger dieser ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit zu entwickeln.)

Einen gewissen Allergie schützenden Effekt hat das Aufwachsen auf einem Bauernhof mit direktem Kontakt zu Stalltieren. An diesen Beobachtungen setzen neuere Forschungen zur Asthmaprävention an.

Auslöser

Die Auslöser oder Trigger der Atemwegserkrankung können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Zur ersten Gruppe gehören die eigentlichen Ursachen der Erkrankung, also die Allergene. Die Wichtigsten in der Natur sind Hausstaubmilbenkot, Pollen und Tierhaare; am Arbeitsplatz Mehlstaub (= Allergencoktail => Allergie gegen Getreide, Schimmelpilze, Fermente) oder Heu.

In die zweite Gruppe gehören Substanzen, die erst auf der Grundlage einer bestehenden Asthmaerkrankung zu Auslösern werden. Hierzu zählen aktives und passives Rauchen, Staub, Reizgase, Kaltluft, Nebel, schwüle drückende Hitze und intensive Gerüche. Weitere Auslöser dieser Gruppe sind Anstrengung, Infektionen der Atemwege sowie psychische, emotionale bzw. seelische Belastungen.

Symptome

Die Hauptbeschwerden bei Asthma sind:

Diese Symptome treten charakteristischerweise immer wieder auf. Sie sind durch Phasen der Beschwerdefreiheit charakterisiert. Bevorzugt kommt es zu Beschwerden:

Diagnose

Die Diagnose der Atemwegserkrankung stützt sich auf fünf Grundpfeiler:

Behandlung

Die Therapie erfolgt mit nichtmedikamentösen und medikamentösen Maßnahmen. Erstere umschließen weitestgehend Tipps, wie man seine Allergene (= Allergie auslösende Stoffe) meiden kann und, wenn dies nicht möglich ist, wie man den Körper langsam daran gewöhnt (Hyposensibilisierung). Dazu gehört aber auch die Asthmaschulung (richtige Inhalationstechnik, Entspannungstechniken, Strategien im Umgang mit Asthma in verschiedenen Situationen usw.).

Die medikamentöse Behandlung stützt sich vornehmlich auf zwei Substanzklassen, die nach ihrer Wirkung unterteilt werden. Zum einen sind dies „antientzündliche“ Medikamente, die sich gegen die Entzündung der Atemwege richten, zum anderen handelt es sich um atemwegserweiternde (= antiobstruktive) Präparate.

Die Wirkstoffe werden in den meisten Fällen inhaliert.

Vorbeugung

Es gibt einige Maßnahmen, mit denen man die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, senken kann.

Dazu gehören unter anderm:

Ob ausschließliches und langes Stillen vor Asthma bronchiale schützt, wird kontrovers diskutiert.

Prognose

Bei der Hälfte der erkrankten Kinder heilt das Asthma mit der Pubertät aus. Günstig auf die Prognose wirkt es sich aus, wenn das Asthma rechtzeitig erkannt und adäquat behandelt wird.

Eine konsequente, längerfristige Therapie mit inhalativen Glukokortikoiden (= Medikamente, welche die Entzündungsreaktion hemmen) kann die Prognose entscheidend verbessern!

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 26.11.2009

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